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Coronavirus und (befristete) Wissenschaftler

März 17th, 2020 by David Georg Reichelt · Hinterlasse einen Kommentar

Das Coronavirus trifft die Wissenschaft direkt, da ggf. Labore geschlossen, Experimente mit Probanden nicht mehr ausgeführt und Zusammenkünfte aller Art, vom Projekttreffen bis zur Konferenz, ausgesetzt werden. Darüber hinaus können Forscher, die auf Kinderbetreuung durch Kindergarten und Schule angewiesen sind, ggf. nicht mehr arbeiten. In besonderem Maß sind hiervon befristet angestellte Wissenschaftler oder Stipendiaten betroffen, einerseits aufgrund des fehlenden Forschungsfortschritts und andererseits aufgrund von Finanzierungsproblemen.

Der fehlende Forschungsfortschritt trifft befristet angestellte Wissenschaftler und Stipendiaten besonders oft, da diese oft auf Qualifizierungsziel, wie eine Promotion, eine Habilitation oder qualitativ hochwertige Publikationen, hin arbeiten. Für das Qualifizierungsziel müssen Fortschritte in der Forschung gemacht werden. Durch die Einschränkungen des Coronavirus können die Fortschritte ggf. nicht mehr gemacht werden und das Qualifizierungsziel – ob nun offiziell im Arbeitsvertrag deklariert oder nur parallel zu einer Projektbefristung verfolgt – kann nicht mehr fristgemäß erreicht werden. Zusätzlich sind befristet angestellte Wissenschaftler und Stipendiaten oft noch von guter Betreuung abhängig. Diese ist durch ausfallende Projekt- und Betreuungstreffen ggf. nicht mehr möglich.

Darüber hinaus können aufgrund des Coronavirus Finanzierungsprobleme auftreten. Befristet angestellte Wissenschaftler und Stipendiaten sind aus formalen Gründen oft auf Gutachten, Bearbeitung von Projekt- und Verlängerungsanträgen sowie auf rechtzeitige Vertragsschlüsse angewiesen. Andernfalls verlieren diese Wissenschaftler sowohl ihre Anstellung als auch die Möglichkeit, weiterzuforschen. Das Anfragen von Gutachten und das Anbahnen neuer Forschungskooperationen ist oft Voraussetzung für neue Projektanträge. Sowohl dieser Teil der Erarbeitung neuer Projektanträge als auch die rechtzeitige Bearbeitung von Projektanträgen und Arbeitsvertragsschlüssen wird jedoch durch das Coronavirus vsl. stark verzögert, da physische Treffen schwerer möglich sind.

Besonders kritisch wird es, wenn beide Aspekte zusammen spielen: Wird ein Qualifizierungsziel nicht erreicht, kann oft aus formalen Gründen eine Verlängerung des Arbeitsvertrags nicht mehr erfolgen, bspw. wenn die 6-Jahres-Grenze der Anstellung erreicht wird oder wenn fehlende Forschungserfolge ein positives Gutachten für die Weiterzahlung eines Stipendiums gefährden.

Gerade in einem wissenschaftlichen Umfeld, in dem kurzfristige Erfolge immer mehr Voraussetzung für Finanzierungen ist, dürfen befristet angestellte Wissenschaftler und Stipendiaten nicht aufgrund von höherer Gewalt Anschlussfinanzierungen verlieren. Neben Hilfsmaßnahmen für Unternehmen sind deshalb auch Hilfsmaßnahmen für befristet angestellte Wissenschaftler und Stipendiaten notwendig. In der öffentlichen Debatte wurde dieses Thema aber bislang kaum beachtet. Nach aktuellen Prognosen verlangsamt das Coronavirus Projektbearbeitungen mindestens zwischen Anfang März und Anfang Mai. Deshalb sollten nach aktuellem Stand mindestens Möglichkeiten gefunden werden, Projekte und Stipendien um zwei Monate zu verlängern. Wir fordern, dass der Freistaat Sachsen hier vorausgeht und laufende Projekte und die laufenden Landesgradiertenstipendien um zwei Monate verlängert.

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