Der PromovierendenRat

Die Promovierendenvertretung der Universität Leipzig

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„Forschen in Europa“ – ein TeilnahmeErlebnisBericht

Oktober 15th, 2015 by Lena Rosenbaum · Hinterlasse einen Kommentar

Letzten Donnerstag fand die Veranstaltung „Forschen in Europa“ an der Universität Leipzig statt, die gemeinsam von der KoWi (Kooperationsstelle EU der Wissenschaftsorganisationen) und der Research Academy Leipzig organisiert wurde. Eine Veranstaltung, die über Fördermöglichkeiten in der Promotions- und Postdoc-Phase informierte. Schön. Schön, weil man als „Frischling“ sprich Gerade-Angefangen-Dokotorand schon mal:
Forschen in Europa

  1. Leicht überfordert sein kann hinsichtlich der verschiedenen Förderangebote und
  2. auch eingeschüchtert wird hinsichtlich der Anforderungen, die an einen Bewerber gestellt werden.

Deswegen möchte ich vorweg nehmen: Die Ansprechpartner der Stiftungen und Forschergemeinschaften sind Menschen und das heißt auch menschlich. Sie sind offen für alle Fragen und bemüht, ihre Gegenüber als Menschen zu sehen, die ihren Weg in der Wissenschaftslandschaft bestreiten wollen. Dass dieser Weg kein leichter sein wird, um mal kurz meinen Kumpel Xavier Naidoo zu zitieren, dürfte bekannt sein.

Bereits in den einführenden Worten verwies der Prorektor für Forschung und Nachwuchsförderung, Herr Schwarz, darauf, dass gerade einmal 5% der Promovenden einen Ausblick auf eine Professur haben. Besonders anschaulich belegte das Frau Fettelschoß vom DFG mit einer Infografik der Bundesrepublik aus dem Jahr 2013 nach der über 25.000 Menschen ihre Promotion abschlossen, immerhin gut 1700 Menschen habilitiert wurden und 675 (!) Neuberufungen stattfanden. Klar, den „klassischen“ Wissenschafts-Karriereweg verfolgt nicht jeder. Klar ist aber auch, den kann nicht jeder verfolgen, denn es sind einfach nicht genug Stellen vakant. Und was nun? Habe ich mich mit meiner Entscheidung eine Promotion zu beginnen, in eine von vornherein ausweglose Sackgasse begeben? Erstmal einen Schluck Kaffee und sehen, was die Vortragenden mir außer grausamen Zahlen noch zu bieten haben.

Neuorientierung innerhalb meines Forschungsgebietes – auch das darf sein!

Die Erleichterung ist groß dank Irene Coin, einer supersympathischen Italienerin. Die ist studierte Chemikerin. Blöd nur, dass sie eine Allergie bekam und nicht weiter in ihrem Feld arbeiten konnte. Und jetzt finde jemanden, der dich für Forschung in einem Bereich (in ihrem Falle Biochemie) finanziert, in dem du bisher noch nicht gearbeitet hast. Dank des Emmy Noether Fellowship Programm des DFG konnte sie in die USA gehen, um sich dort innerhalb des neuen Bereichs zu orientieren. Sie konnte sogar den Standort innerhalb der USA wechseln, weil es ihr im ersten Lab nicht gefiel. Ich bekomme wieder dieses Gefühl, es ist doch einiges möglich auf dem steinigen Wissenschafts-Karriereweg.

Das Förderangebot und ich. Passen wir zusammen?

Wichtig ist, sich vorher ausführlich zu informieren: Passt das Programm oder Stipendium, auf welches ich mich bewerbe, auch wirklich zu mir? Mir ist z.B. durch die Vorträge erst richtig bewusst geworden, dass die Begabtenförderungswerke Studienstiftung des Deutschen Volkes und Stiftung der Deutschen Wirtschaft personenbezogen fördern, die wollen Persönlichkeiten. Im Gegensatz dazu fördert die DFG projektbezogen, es zählt die Exzellenz des Forschungsprojektes. Wichtig auch, für Doktoranden sind die Leibniz Gemeinschaft und DFG insofern interessant, als dass Promotionsstellen ausgeschrieben werden und man sich dann direkt für eine Stelle in einem dieser Projekte (z.B. an Graduiertenschulen oder Graduiertenkollegs) bewerben kann. Beispielsweise kann man sich über die von der DFG geförderten Projekte in der Datenbank GEPRIS informieren oder auch direkt nach ausgeschriebenen Stellen schauen. Auch die Leibniz-Gemeinschaft schreibt aktuelle Stellenangebote online aus.

Hat man bereits sein Dissertationsprojekt und Betreuer festgelegt und sucht nach einer Finanzierungsmöglichkeit, dann sind wiederum die Begabtenförderungswerke relevant. Die Quintessenz der beiden Vorträge: Es zählen die Noten und das außer-fachliche Engagement. Und zu viel Zeit sollte man für einen Antrag bei den Begabtenförderungswerken auch nicht verplempern: Maximal 3 Jahre nach Studienabschluss sollte die Bewerbung eingehen, begründete Ausnahmefälle wie Elternzeit werden berücksichtigt. Die Chancen bei einem der beiden Stiftungen genommen zu werden sind ca. 1:5. Die Studienstiftung fördert jährlich um die 300 neue Promovierende, die sdw nimmt jährlich ca. 50 neue Doktoranden auf. Ok, es könnte schlimmer sein. Schön auch, dass gerade die Begabtenförderungswerke zugegen waren, die partei- und konfessions-unabhängig sind. Denn ich bin weder politisch noch kirchlich aktiv und hätte dementsprechend Probleme, ein Motivationsschreiben in diese Richtung zu schreiben. Da muss man schon ehrlich zu sich selber sein und sich vorher genau überlegen, ob das Stiftungsprofil auch wirklich zu einem passt. Spätestens im persönlichen Gespräch fühlt der Gutachter der jeweiligen Stiftung einem dann so richtig auf den Zahn.

Für Promovierende, die während ihrer Promotionszeit ins Ausland möchten und nicht bereits durch ein Begabtenförderungswerk gefördert werden, bietet der DAAD Jahres- und Kurzzeitstipendien für alle Fächer an. Ein Jahr oder bis zu sechs Monate werden je nach Programm gefördert und die Finanzierung entsprechend des Ziellandes angepasst. Während seiner Promotions- oder Postdoc-Phase kann man einmalig ein Jahresstipendium beantragen, Kurzzeitstipendien sogar mehrfach. Die Quote für beide Programme liegt bei 1:4. Während seiner Promotionszeit kann man sich darüber hinaus auch für Konferenzreiseprogramm bewerben.

Forschen in Europa – ein Veranstaltungsfazit.

Leider konnte ich mich während der Veranstaltung nicht teilen, entsprechend ist mein Bericht durch persönlichen Präferenzen getrieben: Mich hat vor allem das Angebot für Doktorandenförderung im geisteswissenschaftlichen Bereich interessiert. Bei der Veranstaltung waren z.B. auch die Fraunhofer-Gesellschaft, die Deutsche Bundesstiftung Umwelt oder die Helmholtz-Gemeinschaft vertreten, deren Vorträge ich mir nicht angehört habe. Abgesagt hatten kurzfristig die Max-Planck-Gesellschaft und die Volkswagenstiftung. Bei Erwähnung der Absage letzterer ging ein vielsagendes, leicht amüsiertes Raunen durch die Reihen. Krankheitsbedingt, lautete natürlich der offizielle Grund. Die Pausen der Veranstaltung nutze ich, um die Stände der Vortragenden abzuklappern und so viel Infomaterial wie möglich einzuheimsen. Enttäuscht war ich vor allem von der DFG, hier gab es nur Ansichtsmaterial, die Flyer zum Mitnehmen waren nicht rechtzeitig geliefert worden. Auffällig war auch, dass die Stände nicht immer besetzt waren und man nach einem Ansprechpartner Ausschau halten musste. Inhaltlich fand ich das Programm sehr gut und vielseitig. Ich habe für mich persönlich viel an Informationen mitnehmen können, die mich vor allem erleichtert und optimistisch gestimmt haben. Wenn man fachlich exzellent ist und sich von vornherein auch in die, zugegebenermaßen sehr zeitaufwendige, Fördermittelrecherche kniet, dann kann man Finanzierungsmöglichkeiten für das eigene Forschungsprojekt auftun. Mir hat die Veranstaltung besonders deshalb viel gegeben, weil die sonst nur online rezipierten Informationen hier beispielhaft von Menschen vorgestellt wurden, die selbst gefördert wurden oder unmittelbare Ansprechpartner vieler Geförderter sind. Und das macht einen großen Unterschied. Es verschafft einem nicht nur die Möglichkeit, ganz explizit Fragen zu stellen, sondern auch ein Gesicht der Fördermittelgeber zu sehen und selbst als eines wahrgenommen zu werden. Vielen Dank deshalb an das Organisationsteam der Kowi und der Research Academy Leipzig. Ich hoffe, auch im Namen aller zukünftigen Promovierenden, auf eine weitere Veranstaltung dieser Art!

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