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DNB-Öffnungszeiten: Was die Bundesregierung meint(e)

Juli 16th, 2013 by Thomas Schmid · Hinterlasse einen Kommentar

Welche Haltung hat die (geldgebende) Bundesregierung zu den Kürzungen der Öffnungszeiten der Deutschen Nationalbibliothek (DNB) in Leipzig? Mit einigen Monaten Verspätung liegt nun die Antwort (PDF) von deren Beauftragten für Kultur und Medien auf eine Kleine Anfrage der Bundestagsfraktion DIE LINKE vor. Aus der Schriftfassung der Antwort ist bereits während der Podiumsdiskussion des ProRats zum Thema zitiert worden.

Mit Verweis auf das Gesetz über die Deutsche Nationalbibliothek (siehe auch) teilte die Bundesregierung demnach am 23. April 2013 dem Bundestag mit, dass die „vorrangige“ Aufgabe der DNB nicht die Zugänglichkeit der Sammlungen für die Öffentlichkeit, sondern eine „dauerhafte Archivierung veröffentlichter Medienwerke“ sei:

„Grundsätzlich wird darauf hingewiesen, dass die Deutsche Nationalbibliothek als zentrale Archivbibliothek mit Präsenzbestand nicht primär die Aufgabe der lokalen Literaturversorgung für Forschung, Lehre und Allgemeinheit wahrnimmt. Dies obliegt vielmehr den Hochschul- und Landesbibliotheken vor Ort,die mit umfassenden Öffnungszeiten sowie Orts- und Fernleihmöglichkeiten flexible Arbeitsbedingungen auch und gerade für Nutzer mit familiären Verpflichtungen bieten.“

Gleichzeitig wird eingeräumt, dass die Besucherzahl der beiden Standorten in Frankurt und Leipzig – die ja als Entscheidungsgrundlage angeführt wurden – wohl erst seit rund drei Jahren erhoben werden:

„Einheitliche Zählungen liegen erst ab 2010 vor. Zu diesem Zeitpunkt wurden im Zuge der Installation neuer Programme für automatisierte Zählungen unterschiedliche Zählweisen und Mehrfacherhebungen bereinigt. Ein Vergleich zu länger zurückliegenden Zeiträumen ist nicht möglich.“

Interessant auch: Obwohl bereits eingangs auf die Eigenverantwortlichkeit der DNB verwiesen wird, ist der Kulturbeauftragte in der Lage, die Kosten für eine Ausweitung (als Gegenvorschlag zur Kürzung) der Öffnungszeiten zu beziffern. Dazu heißt es:

„Falls die bisherige 14-stündige Öffnungszeit des Leipziger Standortes auf den Standort Frankfurt ausgeweitet werden sollte, wären zusätzlich für den Standort Frankfurt am Main drei Personalstellen und für den Standort Leipzig zwei Personalstellen erforderlich. Der Personalbedarf in Leipzig ergibt sich daraus, dass die Betreuung der erweiterten Öffnungszeiten dort zuletzt mit befristet Beschäftigten abgedeckt wurden. Zusätzlich entstünde ein jährlicher Finanzbedarf i. H. v. insgesamt 22 000 Euro zur Deckung der anfallenden Betriebskosten. Sämtliche zusätzlichen Mittel wären innerhalb des Einzelplans 04 des Bundeshaushalts gegenzufinanzieren.“

Der ProRat hatte die im Februar bekannt gewordenen Kürzungen der Öffnungszeiten der DNB in Leipzig (von 14 Stunden täglich auf 12) wiederholt kritisiert. Seit dem 1. Juni sind nun die Hauptlesesäle in Leipzig und Frankfurt am Main wochentags von 9 bis 22 Uhr und samstags vom 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der ProRat kritisiert diesen vermeintlichen Kompromiss, mit der die DNB weiterhin der Kernforderung nach elternfreundlichen Öffnungszeiten am Morgen nicht entgegen kommt.

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