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Streitfall DNB: Nach langen Gesprächen ein Lichtblick – jedoch keine endgültige Lösung

Mai 30th, 2013 by Anne-Kathrin Gitter · Hinterlasse einen Kommentar

Gemeinsam mit der Initiative „Offene DNB“ und dem StuRa organisierte der ProRat am 17. Mai 2013 im Felix-Klein-Hörsaal im Paulinum der Universität Leipzig die öffentliche Podiumsdiskussion „Nutz(er)loses Wissen? Die DNB zwischen Sparzwängen und Nutzerfreundlichkeit“. Die ersten Ergebnisse unseres Engagements liegen vor: Die Öffnungszeiten werden nur um eine Stunde gekürzt!

Auf dem Podium saßen neben einem Vertreter der Bürgerinitiative, Hagen Schölzel, der Direktor der DNB in Leipzig, Michael Fernau, die Leipziger Bundestagsabgeordneten Dr. Thomas Feist, Dr. Barbara Höll, Monika Lazar und Wolfgang Tiefensee. Leipzigs Kulturbürgermeister Michael Faber, der dem Verwaltungsrat der DNB angehört und sich lange bedeckt gehalten hatte, komplettiert die Runde.

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Nach einer kurzen Begrüßung und Einführung durch Anne-Kathrin Gitter, eine der Sprecher_innen des ProRats der Universität Leipzig, konnte Herr Prof. Dr. Brieler als Moderator der Veranstaltung sofort die dringendste Frage an Herr Fernau weitergeben: Wie sieht die DNB-Leitung perspektivisch die Zukunft der Öffnungszeiten am Standort Leipzig und in Frankfurt? Gewohnt resistent gegen die Argumente der Nutzungsbedürfnisse antwortet der Direktor mit den bereits bekannten Allgemeinplätzen: Die DNB sei eine Archivbibliothek und kein Ersatz für die Universitätsbibliothek, Leipzig sei eine der Städte mit der höchsten Bibliotheksdichte und die Student_innen (!) sollten sich mit der neuen Campus-Bibliothek und ihren 24/7-Öffnungszeiten zufrieden geben (sehr richtige Anmerkung vom StuRa: wie lange wird denn die Universitätsbibliothek noch finanzielle Mittel haben, um diesen Service aufrecht zu erhalten?). Die letzten „Nutzerzahlenmessungen“ hätten außerdem ergeben, dass die Zeiten zwischen 8 und 9 Uhr sowie zwischen 21 und 22 Uhr beide „gleichschlecht benutzt“ würden. Hier gestand der Direktor auch seine Fehler ein. Und doch hätte er sich wohl einen 1-monatigen Flashmob zu den frühen Öffnungszeiten gewünscht – wäre dann alles anders gewesen?

Barbara Höll, Vertreterin der LINKEn, antwortete nach Gesprächen mit der Bundesregierung, dass, um die Öffnungszeiten von 8-22 Uhr sicherzustellen, lediglich 22.000 Euro/Jahr Mehrkosten entstehen würden. Es lohne sich also, weiter zu kämpfen, auch vor dem Hintergrund der aktuellen Bildungsdebatte. Herr Tiefensees (SPD) Vorschlag ziehlte in eine ähnliche Richtung: Wenn es eben nicht möglich sei, die zusätzlichen Personalstellen zu finanzieren, sollten die Öffnungszeiten bleiben, aber das qualifizierte Archiv- und Bibliothekspersonal nur bis zum späten Nachmittag zur Verfügung stehen. Auch Hagen Schölzel (Initiative „Offene DNB“) und Frau Lazar betonten erneut, dass sich die Entscheidungen der Bibliotheksleitung an den Bedürfnissen der Nutzer_innen vorbei bewegen würden (Frage aus dem Publikum: Soll die DNB in Leipzig ein Museum werden?). Herr Feist (CDU) kritisierte den initialen Kommunikationsstil der Bibliotheksleitung und auch vor allem das Ausspielen der beiden Standorte gegeneinander. Auf die Nachfrage an Herr Faber, Kulturbürgermeister von Leipzig und Mitglied des Verwaltungsrates der DNB, wie sich die Entscheidung vollzogen hätte, ergab sich, dass es wohl innerhalb des Verwaltungsrates keine breiteren Diskussionen gab, der Rat „informiert worden war“, aber keine Abstimmung stattgefunden hätte.

Als Ergebnis der Diskussion riefen die Leipziger Bundestagsabgeordneten Dr. Thomas Feist, Dr. Barbara Höll, Monika Lazar und Wolfgang Tiefensee sowie Leipzigs Kulturbürgermeister Michael Faber die Generaldirektorin der DNB, Dr. Elisabeth Niggemann, sowie die politisch Verantwortlichen auf, ihre Möglichkeiten für die Gewährleistung nutzerfreundlicher Öffnungszeiten auszuschöpfen. Niggemanns Vertreter in Leipzig, Michael Fernau, zeigte sich im Verlauf der Diskussion skeptisch und kündigte eine Entscheidung der Generaldirektorin für die folgende Woche an.

Am Donnerstag, dem 23. Mai, verkündete die Deutsche Nationalbibliothek eine Neuregelung ihrer Öffnungszeiten. Ab dem 1. Juni sollen die Hauptlesesäle in Leipzig und Frankfurt am Main wochentags von 9 bis 22 Uhr und samstags vom 10 bis 18 Uhr geöffnet sein. Die Bürgerinitiative „Offene DNB“ und der ProRat kritisieren diese Entscheidung, mit der die DNB weiterhin dem Kernanliegen der Initiative und des ProRats nach elternfreundlichen Öffnungszeiten am Morgen nicht entgegen kommt. Zugleich wird die Entscheidung mit „den insbesondere in Leipzig mit großem Engagement artikulierten Bedürfnissen ihrer Nutzerinnen und Nutzer“ begründet und die Kürzung dabei völlig unkommentiert gelassen.

Die Entscheidung zeigt jedoch auch, dass die DNB finanzielle und organisatorische Spielräume hat, die sie noch deutlicher im Sinne einer Gewährleistung der Zugänglichkeit ihrer Bestände für die Allgemeinheit nutzen könnte. Hier vermissen wir den Willen, diese Spielräume auch auszuschöpfen. Onlinerecherchen rund um die Uhr im Katalog und in Inhaltsverzeichnissen, welche die DNB als besonderen Service anpreist, sind kein Ersatz für die Lektüre, die nach wie vor ausschließlich im Lesesaal durchgeführt werden kann. Leser_innen scheinen für die DNB-Leitung auch keine Relevanz zu haben. Beispielsweise forderte Herr Michael Fernau auf der öffentlichen Podiumsdiskussion am 17. Mai die Nutzer_innen seiner Bibliothek indirekt zum Fernbleiben auf, da sein Haus anderen Zwecken als dem Lesen diene. Dies korrespondiert mit seiner Aussage, etwaige zusätzliche Personalmittel würde er auf keinen Fall in die Öffnungszeiten investieren.

Nichtsdestotrotz freuen wir uns über einen solchen Teilerfolg und bedanken uns bei allen, die diesen mit ihrem öffentlichen Engagement möglich gemacht haben.

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